Babys Einsamkeit

Es war ein Einzelkind. Mit seinem ersten Lebensjahr konnte es schon ein wenig sprechen. Das erste was er sagte, war der Name dessen Menschen den er am meisten lieb hatte, seine Mama.

Er wusste zwar nicht warum, aber er hatte ganz besondere Gefühle für sie. Am liebsten schlief er an ihrer Brust ein. Sobald er aufwachte, war sie stets in der Nähe und mit liebevollen Blicken kuschelte sie mit ihm und drückte ihm ganz viele Küsschen auf seine zarten rosigen Wangen. Doch dieses Glück dauerte nicht lange. Die Mutter begann nach einiger Zeit zu arbeiten und zwar in derselben Bank, in der ihr Mann als Bankleiter beschäftigt war. Schon in kurzer Zeit wurde aus ihr eine dynamische Geschäftsfrau. Die Männer konnten ihr kaum das Wasser reichen.

Jetzt war die Mutter morgens nicht mehr da wenn das Baby aufwachte. Statt das die Mutter morgens vor dem Bett stand, um das Baby auf den Arm zu nehmen und zu drücken, stand ein unfreundliches Kaugummi kauendes Kindermädchen vor ihm. Das einzige was das Baby machen konnte war, so laut wie möglich zu schreien. Doch die in Babysaugen eher einer Hexe als einem Kindermädchen ähnelnden Frau, kniff ihn dann immer so lange, bis er aufhörte zu weinen. Anders als andere Kinder, lernte das Baby nicht zu weinen und mit dem Kindermädchen still vor dem Fernseher zu sitzen, bis die Mutter von der Arbeit kam.

Vom Vater sah er nicht viel, der fand das Land sowieso zu überbevölkert und wollte von Anfang an gar nicht dazu beitragen, das das Land noch mehr Einwohner hatte. Da sich seine Meinung auch nach der Geburt des Babys nicht geändert hatte, schenkte er ihm auch wenig Aufmerksamkeit. Das einzige worauf das Baby wartete, war die Rückkehr seiner Mutter von der Arbeit.

Meist spielte er hinter der Tür, um ihr gleich in die Arme fallen zu können wenn sie heimkam. Aber die Mutter, die jetzt nicht mehr nach Muttermilch, sondern nach Zigaretten roch, kam spät nach Hause, machte ihm schnell etwas zu essen und brachte ihn dann gleich in sein Zimmer. Sie musste ja noch den Haushalt machen und war sowieso immer schon viel zu müde um sich um ihn zu kümmern.

Das Baby versuchte wieder nicht zu weinen. Das verärgerte seine ohnehin schon gestresste Mutter ziemlich und er murmelte selbst die Lieder die einst sie für ihn  zum einschlafen gesungen hatte und schlief dann so ein. Als das Baby zwei Jahre alt wurde, schenkten ihm seine Eltern einen Papagei. Jetzt spielte es oft mit seinem Geschenk, statt mit dem Kindermädchen stumm vor dem Fernseher zu sitzen.

Baby erzählte dem Papagei: „Mama ist auf Bank, Papa ist auf Bank… Wenn die Eltern ihn mit dem Papagei reden sahen, freuten sie sich darüber, dass er jetzt nicht mehr so alleine war. Dies verleitete beide dazu Überstunden zu machen, um die Raten für den Neugekauften Wagen schneller abbezahlen zu können.

Eines Tages flog der Vogel durch die offen gebliebene Käfigtür hinaus und aus den Fenster davon. Das Baby versuchte ihn vergeblich mit ausgestreckten Armen zu fangen. Er schaffte es nicht und die seit langem unterdrückten Tränen floßen ihm jetzt über seine rosigen Wangen.

Er sah in die Richtung in die der Papagei geflogen war und sagte leise schluchzend:

„Vogel ist auch auf Bank, Vogel ist auch auf Bank…

Aus-dem-Leben-Cueneyd-Suavi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s