Die Scheidung in den drei Weltreligionen Teil 2

Da die Ansicht der Hillelites siegte, wurde sie die ungebrochene Tradition des jüdischen Gesetzes, dem Ehemann das Recht der Scheidung von seiner Frau zu geben. Das Alte Testament gibt den Männern nicht nur das Recht sich von einer „ungemochten“ Ehefrau scheiden zu lassen, sondern es sieht die Scheidung von einer „schlechten Ehefrau“ als eine Verpflichtung an: „Eine schlechte Frau bringt Erniedrigung, niedergeschlagene Blicke und ein wundes Herz. Kraftlose arme und schlaffe Knie sind jenem Mann, dessen Frau ihn nicht glücklich zu machen vermag. Die Frau ist der Ursprung der Sünde, und wegen ihr ist es, dass wir alle sterben müssen. Las eine leckende Zisterne nicht tröpfeln oder lass eine schlechte Frau nicht sagen was sie will. Will sie deine Autorität nicht anerkennen, scheide sie und schicke sie fort.“(Prediger.25:25)

Der Talmud berichtet über bestimmte verschiedene Handlungen der Ehefrauen, welche die Ehemänner dazu verpflichten, sich von ihnen scheiden zu lassen: „Wenn sie auf der Straße aß, wenn sie gierig auf der Straße trank, wenn sie das Baby auf der Straße säugte, in jedem dieser Fälle, sagt Rabbi Meir, muss sie ihren Mann verlassen.“ (Git.89a.) Der Talmud schreibt auch die Scheidung von einer unfruchtbaren Frau vor (die innerhalb von 10 Jahren kein Kind geboren hatte): „Unsere Rabbiner lehrten: Wenn ein Mann sich eine Frau nahm und mit ihr zehn Jahre gelebt hatte und sie kein Kind geboren hatte, muss er sie scheiden.“(Yeb.64a)

Eine jüdische Frau könnte ihr Recht auf Scheidung vor einem jüdischen Gericht einfordern, wenn sie wirklich schwerwiegende Gründe hätte. Diese Gründe sind unter anderem: Ein Ehemann mit körperlicher Unzulänglichkeit oder Hautkrankheiten, Vernachlässigung der ehelichen Pflichten, usw. Das Gericht kann den Antrag der Frau unterstützen, doch die Ehe nicht auflösen. Dies ist nur dem Ehemann möglich, indem er ihr den Scheidungsbrief aushändigt. Das Gericht könnte den Mann geißeln, zu einer Geldstrafe verurteilen, einsperren und ihn aus der Gemeinschaft ausschließen, um ihn dazu zu zwingen, den erforderlichen Scheidungsbrief seiner Frau zu übergeben. Sollte der Ehemann hartnäckig bleiben, könnte er sich weigern seiner Frau die Scheidung zu erlauben und sie bis zu seinem Tode an sich binden.

Und noch schlimmer, könnte er sie, ohne ihr die Scheidung zu gewähren, sie quasi unverheiratet und ungeschieden zurück lassen. Er kann irgendeine andere Frau heiraten oder sogar mit einer anderen Frau außerhalb der ehelichen Bande zusammenleben und Kinder mit ihr haben (im jüdischen recht gelten diese Kinder als ehelich). Die verlassene Frau dürfte hingegen nicht wieder heiraten, da sie rechtlich noch als verheiratet gilt und somit mit keinem anderen Mann zusammen sein darf, ohne als Ehebrecherin zu gelten und ihre Kinder aus so einer Verbindung bis ins zehnte Glied als illegitim sein würden. Eine Frau in einer solchen Position wird Agunah (gekettete Frau) genannt.

Man könnte sagen, dass der Islam den Mittelplatz zwischen christlichen und jüdischen Regeln einnimmt. Der Islam erkennt das Recht beider Partner an, ihre Ehe zu beenden. Dabei erhält der Ehemann das Recht auf Scheidung (Talaq), der die Morgengabe nicht wieder einfordern darf und gibt der Ehefrau das Recht, die Ehe durch „Khula“ aufzulösen, wobei sie ihre Morgengabe zurückgeben muss.

Der Quran verbietet also ausdrücklich, den sich scheidenden Männern, die Morgengabe zurückzufordern, unabhängig davon, wie hoch der Betrag war:

Und wenn ihr eine Gattin anstelle einer anderen nehmen wollt, so nehmt nichts von ihr fort, selbst wenn ihr der ersten einen ganzen Schatz gegeben habt. Wollt ihr es (etwa) durch Verleumdung (Unrecht) und deutliche Sünde (zurück) nehmen? (Sure 4 Vers 20)

Teil 3 folgt bald, inshaallah….

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