Wie erlangt man im Islam Vergebung für begangene Sünden?

1. Sich in Reue von der Sünde abwenden (Tauba)

Zunächst einmal sollte sich ein Gläubiger, der eine Sünde begangen hat, aufrichtig  von dieser Sünde abwenden und sie bereuen. Das bedeutet, einzusehen, dass man einen Fehler begangen hat, sich zu bemühen, diesen Fehler nicht noch einmal zu begehen und einen Weg einzuschlagen, der einen von dieser Sünde wegbringen soll. Man sollte hierbei auch die feste Absicht haben, diese Sünde nicht erneut zu begehen.

 

„O ihr Gläubigen! Kehrt mit aufrichtiger Reue zu Gott zurück! Möge euer Herr eure Übeltaten tilgen und euch in Paradiesgärten bringen, unterhalb derer Flüsse fließen.“ (Koran, 66:8)

 

2. Allah durch Bittgebete (Dua) um Vergebung bitten

Des Weiteren soll ein Muslim Allah auch durch Dhikr(Gedenken an Allah) und Bittgebete(Dua) um Vergebung bitten:

Astaghfirullah – „Ich bitte Allah um Vergebung“

Darüber hinaus gibt es aber viele weitere Aussprüche und Bittgebete, die diese Funktion erfüllen. So hat uns der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) beispielsweise ein Bittgebet beigebracht, das Sayyid al-Istighfar (Meister der Vergebung) genannt wird und der schönste Weg ist, Allah um Vergebung zu bitten:

„O Allah, du bist mein Herr, es gibt keine Gottheit außer Dir. Du hast mich erschaffen, und ich bin Dein Diener, und ich halte mich an Deine Abmachung und Dein Versprechen so gut ich kann. Ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Übel, das ich begangen habe. Ich erkenne Deine Gaben, die Du mir gegeben hast, an, und ich gestehe meine Sünden ein, so vergib mir. Denn wahrlich, niemand vergibt die Sünden außer Dir.“(Buhary)

Über dieses Bittgebet sagte der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm):

„Wer dieses Bittgebet tagsüber mit fester Überzeugung liest und dann stirbt, bevor er den Abend erreicht, der wird zu den Bewohnern des Paradieses gehören. Und wer es nachts mit fester Überzeugung liest und dann stirbt, bevor er den Morgen erreicht, der wird zu den Bewohnern des Paradieses gehören.“ ( Buhary)

3. Wiedergutmachung

Bei Sünden, die auch einem anderen Menschen geschadet haben – beispielsweise wenn man einem Mitmenschen zu Unrecht etwas weggenommen hat oder schlecht über ihn gesprochen hat – muss sich der Muslim als Bedingung für die Vergebung auch darum bemühen, den verursachten Schaden wieder gut zu machen. Dies geschieht zum Beispiel, indem man die betroffene Person um Vergebung bittet,den entwendeten Gegenstand seinem Besitzer zurückgibt, Schadensersatz leistet usw.

4. Ausgleich durch gute Taten

Ein Weg, um Vergebung für Sünden zu erlangen ist es auch, einer schlechten Tat stets eine gute Tat folgen zu lassen, denn der Prophet Muhammad (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte in einem Hadith:

„Sei gottesfürchtig wo immer du bist, lasse der schlechten Tat eine gute Tat folgen, damit sie sie löscht und begegne den Menschen mit gutem Charakter.“ (Hadith bei Tirmidhi)allah_3-t2

 

Textvorlage von Fragen zum Islam.de

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4 Gedanken zu “Wie erlangt man im Islam Vergebung für begangene Sünden?

  1. Wir haben so viele Möglichkeiten eine schlechte Tat „wieder gut zu machen“.

    Zeichnet eine schlechte Tat aber nicht etwas viel tiefer liegendes aus? Warum haben wir das getan? Warum fällt es uns so schwer dafür um Vergebung zu bitten? Warum führt eine schlechte Tat einen zu nächsten? Und wieso wird man trotz aufrichtiger Tauba wieder Rückfällig?

    Der Text ist gut und das Thema klasse. Aber wenn ich den Text geschrieben hätte, würde ich noch versuchen zu erklären, wie man diese vier Punkte schafft. Denn was so einfach klingt, ist meist eine große Herausforderung.

    • Ich schreibe inshaallah einen zweiten Teil aus eigener Feder der diese Punkte beinhaltet.
      Alle Fragen die Du gestellt hast lassen sich mit einem Satz beantworten:
      Man ist zu weit entfernt vom Gedenken (dikhr) Allahs.

      Das klingt simpel ist aber manchmal schwierig zu erreichen.Je mehr Du Allah gedenkst durch Dua,Dikhr,Fasten,Sadakah,Gebet,Nachtgebet usw.desto klarer siehst Du die Sünden und desto mehr Kraft ihnen zu widerstehen bekommst Du.
      Du kennst doch den Hadith Qudsi:

      Abu Huraira berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Wahrlich, Allah sagte: »Wer einen Meiner Diener befehdet, der unter Meinem Schutz steht, dem habe Ich den Krieg erklärt. Mein Diener nähert sich Mir nicht mit etwas, das Ich mehr liebe, als das, was Ich ihm als Pflicht auferlegte. Und Mein Diener fährt fort, sich Mir durch die Nawafil zu nähern, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich sein Hören, mit dem er hört, sein Sehen, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er zupackt, sein Fuss, mit dem er schreitet. Wenn er Mich um etwas bittet, werde Ich es ihm gewiss erfüllen, und wenn er bei Mir Zuflucht sucht, werde Ich ihm gewiss Zuflucht gewähren………“

      Was bedeutet das genau:seine Hand mit der er zupackt,sein Fuß mit dem er schreitet?
      Das bedeutet das wenn Du durch die Pflicht und freiwilligen Taten Deinen Iman und Deine Taqwah soweit gestärkt hast dann verlieren die Sünden an Reiz,Du hast mehr Kraft ihnen zu widerstehen und deshalb tust Du überwiegend nur noch Dinge zb. mit Deinen Händen die gut sind.
      Oder Du gehst zb. nicht mehr an schlecht Orte (Disco usw.).
      Je weiter man also vom Gedenken Allahs entfernt ist desto schwieriger ist es den Sünden zu widerstehen,seine Tauba nicht gleich wieder über den Haufen zu werfen und nicht gleich in die nächste Sünde zu stolpern.

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