Die Bedingungen für die Gültigkeit der Schahadah

Ein Gelehrter der ersten Generation wurde einmal danach gefragt, ob die Schahadah d.h. die Worte „La ilaha illa Allah“ der Schlüssel zum Paradies sind. Er antwortete:“Ja, aber jeder Schlüssel hat Zähne.“ Ein Schlüssel ohne die passenden Zähne wird das Schloss nicht öffnen. Diese „Zähne“ der Schahadah, d.h. die Bedingungen für ihre Gültigkeit, haben die Gelehrten wie folgt zusammengefasst:

1. Wissen:

D.h., die Bedeutung der Schahadah zu kennen mit all ihren Konsequenzen zu kennen, was sie bestätigt und was sie verneint.

„Wisse, dass kein Gott außer Allah ist,…..“(47:19)

„Und diejenigen, die sie statt seiner anbeten, haben kein Fürspracherecht, mit Ausnahme dessen, der die Wahrheit bezeugt, und sie wissen Bescheid.“(43:86)

D.h., sie wissen in ihren Herzen die Bedeutung der Wörter, die sie mit dem Mund aussprechen. In Al-Sahi wird folgender Hadith vom Propheten s.a.s berichtet:

„Wer stirbt im Wissen, dass es keinen Gott gibt außer Allah, betritt das Paradies.(Buhary)

Offenkundigerweise ist ein Bekenntnis wertlos, wenn man die Bedeutung der Worte, die man bezeugt, nicht kennt. Jemand, der „La ilaha illa Allah“ sagt und dabei mit Allah Jesus gemeint hatte, dessen Schahadah nützt nichts. Deswegen ist es von essentieller Bedeutung, dass der, der die Schahadah ausspricht, sich der Bedeutung der Worte bewusst ist.

 

2. Gewissheit:

Jemand, der die Schahadah ausspricht, muss von ihrer Wahrheit absolut überzeugt sein, ohne Zweifel oder Unsicherheit im Herzen.

3. Akzeptanz:

Nach Wissen und Gewissheit über die Schahadah, müssen mit dem Herzen und der Zunge alle mit der verbundenen Aspekte automatisch aus den beiden vorhergehenden Punkten folgen. Bekanntes Beispiel für jemanden, der die Bedeutung von „La ilaha illa Allah“ kannte, keinerlei Zweifel daran hegte, aber die Konsequenzen trotzdem nicht akzeptierte, ist Iblis (der Teufel). Die Schahadah mit all ihren Konsequenzen zu akzeptieren bedeutet, dass man auch alles akzeptiert, was im Quran oder vom Propheten s.a.s. berichtet wird, ohne das Recht, davon zu wählen, was einem gefällt. Allah sagt im Quran:

„Glaubt ihr den an einen Teil des Buches und leugnet einen anderen? Für diejenigen unter euch, die solches tun, gibt es keine Vergeltung als Schande in diesem Leben; und am Tage der Auferstehung werden sie der strengsten Bestrafung zugeführt werden. Und Allah ist euren Tuns nicht achtlos.“(2:85)

Dem Muslim ist nicht freigestellt, sich für ihn passende Dinge vom Quran und der Sunna auszusuchen, während er andere für weniger oder überhaupt nicht wichtig hält.

„Die Rede der Gläubigen, wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er zwischen ihnen richten möge, ist nichts anderes als: „Wir hören und wir gehorchen.“ Und sie sind es, die Erfolg haben werden.“(24:51)

 

4. Hingabe:

Hingabe bedeutet, zu befolgen, was die Schahadah verlangt, d.h., die Hingabe an Allah und Gehorsam Ihm gegenüber und Seinem Gesandten, wie Allah sagt:

„Und kehrt euch reuig zu eurem Herrn und gebt euch Ihm hin, bevor die Strafe über euch kommt.“(39:54)

„Und wer hat eine schönerer Religion als jener, der sich Allah hingibt und dabei Gutes tut.“(4:125)

Zweifelsfrei hat Allah es zu einer Bedingung gemacht, dass wir die Schahadah nicht nur mit Worten bestätigen und akzeptieren, sondern auch durch Taten beweisen, nämlich durch vollständige Hingabe an Allah und Seine Befehle. Der Prophet s.a.s. sagte:

„Keiner von euch ist gläubig, bis seine Begierden mit dem übereinstimmen, womit ich gekommen bin.“(An-Nawawi 40 Hadithe)

Und Allah sagt im Quran:

„Doch nein, bei deinem Herrn; sie sind nicht eher Gläubige, bis sie dich zum Richter über alles machen, was zwischen ihnen strittig ist, und dann in ihrem Herzen keine Bedenken gegen deine Entscheidung finden und sich voller Ergebung fügen,“(4:65)

Die Schahadah ist nicht nur eine Sache im Herz, sie umfasst alles: Herz, Zunge und Taten. Der Muslim muss im Herzen von der Schahadah überzeugt sein, sich mit der Zunge dazu bekennen und sie mit seinen Taten praktizieren. Ein Glaube ohne diese drei Aspekte ist unvollständig.

5. Wahrhaftigkeit:

Jemand der die Schahadah ausspricht, muss auch meinen was er sagt, d.h. die Zunge spricht nur das aus, was im Herzen ist. Allah sagt:

„Alif Lam Mim. Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie bloß sagen: ,,Wir glauben“ und meinen sie, sie würden nicht auf die Probe gestellt. Und wir stellten sie doch die auf die Probe, die vor ihnen waren. Also wird Allah gewiss die erkennen, die wahrhaftig sind, und gewiss wird Er die Lügner erkennen.“(29:1-3)

In beiden Sahi-Büchern wird berichtet, dass der Prophet s.a.s. sagte:

„Es gibt niemanden, der bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Allah und das Muhammed der Gesandte Allahs ist, wahrhaftig vom Herzen her, ohne dass Allah ihn vor dem Feuer beschützt.“(Buhary,Muslim)

Das Gegenteil von Wahrhaftigkeit ist Heuchelei. Ein Heuchler ist der, der die Schahadah zwar mit der Zunge ausspricht und im Herzen seinen Kufr verbirgt.

6. Aufrichtigkeit:

Jemand, der die Schahadah ausspricht, muss dabei ausschließlich das Wohlgefallen und die Zufriedenheit Allahs erstreben. Allah sagt im Quran:

„Und doch war ihnen nichts anderes befohlen worden, als Allah in lauteren Glauben (mit Ikhlas-Aufrichtigkeit) zu dienen.“(98:5)

In einem Hadith in Al-Sahih sagte der Prophet s.a.s. :

„Die, die am meisten meiner Fürsprache (am Tage der Auferstehung) würdig sind, sind die, die La ilaha illa Allah aufrichtig von Herzen sagen.“

„Jahannam (das Höllenfeuer) ist verboten für den, der La ilaha illa Allah sagt und dabei nur das Angesicht Allahs begehrt.“(Muslim)

 

7. Liebe:

D.h., dass man Allah und seine Religion ( und folglich auch all seine Gebote und Verbote), die Schahadah und das, wofür sie steht, und die Leute, die daran glauben und danach handeln, liebt. Jemand, der irgendeinen Aspekt vom Islam verabscheut oder sich nur darüber lustig macht, hat den Islam schon verlassen. Ebenso diejenigen, die etwas, irgendetwas im Dunja (diesseits) mehr als Allah lieben. Er sagt im Quran:

„Und unter den Menschen gibt es einige, die sich außer Allah Seinesgleichen nehmen-sie lieben sie, wie man (nur) Allah lieben soll. Die aber, die glauben, lieben Allah noch mehr.“(2:165)

Ein Zeichen dafür, dass jemand Allah liebt, ist, dass er dem Priorität gibt, was Allah liebt, auch wenn es gegen seinen eigenen Willen geht und dass er hasst, was Allah hasst, auch wenn er eigentlich im Inneren danach verlangt: Seine Freunde sind die Freunde von Allah und seinem Gesandten und seine Feinde sind die Feinde von Allah und seinem Gesandten. Der Prophet s.a.s. sagte:

„Wer drei Merkmale hat, wird die Süße des Iman (Glauben) schmecken:“Ihm sind Allah und Sein Gesandter lieber als alles andere, er liebt andere Menschen nur um Allahs willen und er hasst es zum Unglauben zurückzukehren so wie er es hasst, ins Feuer geworfen zu werden.“(Tabarani)

Leider fehlt vielen Muslimen heutzutage die Liebe zur Religion Allahs. Sie praktizieren den Islam aus Gewohnheit wie Maschinen, ohne Liebe zu Allah und seiner Religion. Islam ist bei manchen zu einem Gewand geworden, dass man bei Bedarf überzieht und sonst unbeachtet in der Ecke lässt.

(Islamisches Zentrum Münster)

 

 

 

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