Das verstörende Online-Leben von Teenagern

Über das Online-Leben von Teenagern

Ich kann nicht nachvollziehen, warum Kinder oder Jugendliche ein Smartphone besitzen sollten. Aber ich bin diesen Dingern auch dermaßen abgeneigt, dass ich mich wundere dass überhaupt jemand so ein Quatsch kauft. Nein, ich bin kein Technik-Muffel (eher das Gegenteil) und selbstverständlich brauchen viele Menschen dies für ihren Arbeitsplatz, aber sonst?

Und warum muss ich das mitmachen? Weil es alle machen? Das ist mir zu wenig und genau diesen Punkt möchte ich auch meinen Kindern vermitteln. Wenn du die neusten Nike Treter hast, gehörst du vielleicht zu den coolen Kids aber das bringt dich im Leben einfach nicht weiter. Ich habe mich früher immer ein wenig fremdgeschämt, wenn jemand auf einer Geburtstagsparty dem Ehrengast ein Foto von sich selbst schenkte. Und heutzutage haben wir diesen Selfie-Wahn, der immer absurdere Zustände erreicht. Inzwischen gibt es Statistiken, die aufzeigen wie viele Menschen von Brücken, Hochhäusern, Zügen (sic), Klippen oder sonst wo herunterfallen, weil sie ein Foto machen wollten. Wird der „Tod durch Selfies“ das Pendant zum japanischen Karoshi?

Was ich besonders ekelhaft und abstoßend finde ist das wirklich alles und jeder gefilmt wird. Statt bei einer Prügelei oder Streitereien beschwichtigend einzugreifen wird alles gefilmt. Genauso bei Autounfällen, Raubüberfällen, Bränden oder Naturkatastrophen. Es wird drauf gehalten, komme was wolle. Bevor man überhaupt das Warndreieck aufstellt, schnell ein Selfie mit blutiger Stirn geknipst. „Grad Unfall gehabt. Voll krass!“ Ich warte ja immer noch auf ein Selfie von einem Mädchen mit aufgeplatzter Lippe. „Bin grad vergewaltigt worden. Voll krass!“ Wundern würde mich das wirklich nicht. Alles wird dokumentiert, so sinnlos oder schädlich es auch sein mag. Mädchen wie Amanda Todd werden erpresst, gestalkt, gemobbt und schließlich in den Selbstmord getrieben. Kids sind so leichtsinnig und ihre Bilder bleiben auf ewig im Netz. Außerdem zweifele ich stark daran, dass Kinder/Jugendliche erfassen und verstehen, das 90 % ihrer Internetbekanntschaften einfach Fake sind. Das Follower, likes und Besucherzahlen im echten Leben nichts bedeuten. Damit kommen ja selbst viele Erwachsene nicht klar.

Abgesehen von all diesen ernsten Dingen, sind manche Leute einfach wahnsinnig nervig. Sie kommen zu Besuch und bevor sie überhaupt aus den Schuhen geschlüpft sind, wird nach deinem Wlan gefragt. Dann sitzen sie auf deiner Couch, scrollen ihre Timeline rauf und runter und scheitern kläglich bei dem Versuch, nebenbei ein Gespräch mit dir zu führen. Das erinnert mich an den Mann meiner Tante der sich bei einem Besuch immer zuerst erkundigte wo der Fernseher stand um dann dort den Rest des Tages Formel 1 zu gucken. Und wie immer rennen auch Muslime diesem Trend hinterher und knipsen Selfies von sich selbst in Mekka während des Hadsh. Ein Ort und Moment den man im tiefem Dikhr verbringen sollte.

Ich bin froh, das es diesen Trend noch nicht gab als ich Teenie war. Ich konnte mich ausleben und Fehler machen ohne Druck, Selbstdarstellung und Gier nach Aufmerksamkeit ohne das es die gesamte Welt innerhalb von Minuten erfahren hat. Und genau das möchte ich meinen Kindern auch bieten.

 

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10 Gedanken zu “Das verstörende Online-Leben von Teenagern

  1. Naja, alles hat zwei Seiten. Ich schätze sehr, wie unproblematisch man Dinge mit mehreren Leuten vereinbaren kann zB. Früher stundenlanges Herumtelefonieren war ja auch nicht besser, in gewisser Weise. Mir vereinfacht das Handy vieles. Ich habe direkt die Übersicht im Kalender, ich kann zu jeder Zeit Familie und Freunde erreichen per Nachricht und muss keine Angst haben, jmd zu stören, denn der kann die Nachricht ja dann lesen und beantworten, wenn es ihm passt.
    Standorte teilen zu können, um Freunde zu einem Treffen zu lotsen ist auch toll. Überhaupt die Navi-Funktion. Damit bin ich viel entspannter unterwegs.

    Wenn ich ein mir unbekanntes Produkt sehe kann ich schnell im Internet Kritiken dazu lesen oder Buchrezensionen, bevor ich eins kaufe.
    Ich finde das sehr praktisch. Und ich habe mich auch sehr lange dagegen gesträubt. Mein Mann zieht mich immer wieder damit auf😁.
    Was bei uns allerdings unbeschriebenes Gesetz ist: kein Handy am Esstisch und für die jüngste Tochter abends kein Internet. Man muss den Umgang damit thematisieren und ab und zu kontrollieren. Die Kinder verstehen das dann schon. Wenn man ihnen allerdings das Ding gibt um seine Ruhe vor ihnen zu haben, kann es natürlich auch anders laufen, wie du beschreibst.

    • Das wirklich viele Vorteile gibt, liegt klar auf der Hand. Das technische Gerät als solches verteufel ich auch nicht aber das das Social Life das echte Leben irgendwann überholt, ist eine ernste Gefahr für Jugendliche und Erwachsene. Besonders wenn diese sowieso schon depressiv oder isoliert sind.

      • Da stimme ich dir zu. Aber auch da muss man unterscheiden. Wenn jemand vlt in der Schule gemobbt wird, kann es ihm sogar helfen, durch irgendwelche Onlinespiele Leute mit gleichen Interessen zu finden. Ok, das gilt jetzt allerdings nicht so sehr fürs Handy, sondern eher für den PC, merke ich gerade

      • Ich verstehe was du meinst aber der Prozentsatz der Freundschaften, die sich dadurch ins wahre Leben übertragen lassen, ist doch recht gering. Letzten Endes muss an doch in der realen Welt bestehen. Die Gefahr ist einfach, dass viele das Internet als Flucht oder Ersatzleben nutzen. Wie gesagt, ich will nicht alles schwarz malen (ich bin ja auch grad online 🙂 aber diesem Darstellungswahn und Geltungsdrang möchte ich nicht gutheißen.

  2. Salam alaikum!
    Ersatzleben gab es schon immer. Kaum jemand hatte schon vor dem Smartphone tatsächlich einen wahren Freund. Freunde klar, aber vertrauen, alles besprechen können..? Jeder musste darauf achten wem er was erzählt weil Lästereien, hinter dem Rücken reden schon längst gang und gebe sind. Warum benutzen viele Menschen Haustiere als Menschenersatz? Weil sie von Menschen enttäuscht sind, ihnen nicht trauen und oftmals vermutlich selbst auch keine guten Freunde sind.Tiere erzählen nichts weiter, sie werfen einem nichts vor, sie haben immer Zeit, sie hören immer zu. Die Menschen haben verlernt wie man sich benimmt, wie man miteinander umgeht. Jeder sieht sich selbst und seine Interessen, andere werden dabei herabgesetzt, weil jeder sich selbst der Nächste ist. Die Schuld liegt mit Sicherheit nicht bei der Technik, sondern ist an ganz anderen Stellen zu suchen. Die Auswirkungen manifestieren sich in der Technik, aber auch die Tatsache das Auswirkungen, Regeln und Gesetze unübersichtlich und oftmals schwer verständlich sind sorgt für einen Umgang mit den Medien der nicht richtig ist. Aber hier kann man kaum eingreifen denn Werbung hatte schon immer mehr Einfluss als Vernunft. Die vielen Portale und Seiten schreien nach Teilnahme, die Sammelwut von privaten Daten ist gigantisch, aber die Aufklärung über mögliche Folgen verschwinden dahinter. In einer Welt, in der die Erwachsenen schon lange den Überblick verloren haben können Kinder und Jugendliche nicht angeleitet werden.
    Dem „Zeitgeist“ im Weg zu stehen indem das eigene Kind aus Gruppen ausgeschlossen wird, weil es kein entsprechendes Handy hat ist sicher nicht die geeignete Lösung. Selbst Lehrer und Schulen nutzen immer stärker die neuen Medien. Hätte meine Tochter kein entsprechend nutzbares Smartphone, wäre sie nicht in der Klassengruppe, würde viele Infos nicht oder zu spät bekommen, sie hätte keinen ständigen Zugang zur Schulseite auf der Stundenplanänderungen, Hausaufgaben ect. von Lehrern eingestellt werden, ich würde nie wieder einen Test zu Gesicht bekommen, weil die den Schülern nicht mehr mitgegeben werden sondern nur das abfotografieren gestattet ist,… Der „tragbare Minicomputer“, denn nichts anderes sind diese Smartphone´s ist heute so selbstverständlich wie vor kurzem der heimische PC und davor der Fernseher der einfach in jedes Wohnzimmer gehörte und es ist einfacher auf einen Fernseher zu verzichten als auf den immerwährenden Zugang zum Internet. Und dennoch mag kaum jemand auf die Flimmerkiste verzichten, egal wie viel Mist dort läuft und der größte Mist wird am liebsten eingeschaltet.
    Menschen die „nicht echt“ sind gab es auch schon in meiner Kindheit. Da haben sich die Mädels geschminkt, die Jungs brauchten bestimmte Frisuren, man musste sich auf bestimmte Art verhalten usw. Es hat sich nichts daran geändert. Nur jetzt ist es nicht mehr für die Mitschüler sondern für die ganze Welt. Früher kam man dadurch zu Freunden, heute zu Followern. damals gab es nichts weiter außer vielleicht Stress mit den Eltern, heute kann man damit Geld verdienen.
    Ich bemühe mich meinen Kids die Regeln zu erklären, Gesetzeslagen und auf Konsequenzen hinzuweisen bei der Veröffentlichung des eigenen Lebens. Ich ermutige sie die Infos an Mitschüler die zu sorglos sind weiter zu geben, aber ich gestatte den Besitz und die Benutzung dieser kleinen Technikkisten, obwohl mein eigenes Handy weit weniger bietet.Aber ich habe auch keine Lehrer die die Medien für sich entdeckt haben.
    wasalam

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