Vor ein paar Tagen las ich den Artikel einer Frau, die ihre Ängste während einer nächtlichen Zugfahrt beschrieb.
In den Abteilen hielten sich überwiegend arabisch sprechende Männer auf, was bei ihr starkes Unbehagen hervorrief. Hastig eilte sie durch die Waggons. Schnell weg von Allahs Kindern!
Wo ist ein Abteil voller besoffener Hooligans, wenn man es mal braucht?
Denn wir alle wissen ja, dass es keine deutschen Vergewaltiger gibt.
Sie flüchtete sich auf die Toilette, kramte in ihrer Handtasche und fand einen Seidenschal, den sie sich hastig umband. So, als Muslima getarnt, überstand sie mit knapper Not, den (möglichen) nächtlichen Alptraum.
Am Ende ihres „erschütternden“ Artikels zeigt sie sich von der Erkenntnis schockiert, dass Frauen in Deutschland nun (nach Einzug der Muslime), nicht mehr sicher sind.
Da die besagte Dame sich weigert Kommentare von mir als Muslima freizuschalten, möchte ich hier meine Gedanken in Worte fassen.

Zunächst einmal gilt mein Mitleid allen deutschen Damen, die nun nicht mehr sicher sind. Was waren das noch für Zeiten, als es in Deutschland keine Straftaten gab. Die Statistik für Vergewaltigungen tendierte gegen null,  keine Frau wurde belästigt, keine Ehefrau verprügelt und die K.-o. Tropfen waren noch nicht erfunden. (Ironie off)

Was mich nervt, ist der Egoismus und die Herabsetzung, die in diesem (Zug) Vorfall zum Tragen kommen. Muslimischen Frauen und ausländischen Männern gegenüber.  Hat schon mal jemand in Betracht gezogen, dass diese „arabisch sprechenden Kinder Allahs“,
A. Keine Muslime waren? Woran konnte sie den festmachen, dass es sich nicht um christliche Araber handelte? (Und wäre sie dann beruhigt gewesen und hätte sich zu ihnen gesetzt, um ein Schwätzchen zu halten?)
B. Sich herzlich wenig für sie interessiert haben.
C. Sich vielleicht gerade darüber unterhalten haben, ob ihr Abitur in Deutschland anerkannt wird und ob sie ihr Medizinstudium in Deutschland fortsetzten können.

Bezeichnend für das typisch deutsche „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber …“ ist der Begriff „Kinder Allahs“. Obwohl die religiöse Ausrichtung der männlichen Fahrgäste offensichtlich nicht belegt werden konnte und die Dame die Zugfahrt unbeschadet überstand, wählt sie Worte, die die geistige Reife muslimischer Männer karikieren. Uns muslimischen Frauen traut man auch nicht viel mehr zu.

Muslimischen Frauen wird ja immer gern Verblendung angedichtet, oder (gähn) die gute alte Unterdrückungs-nummer. Auch wenn man sich das selbst vielleicht nicht eingestehen will, da gebildet und weltoffen, sehen viele Menschen, muslimische Frauen oft als Frauen (milde ausgedrückt) mit etwas weniger Verstand an.
Wie sonst könnte man erklären, dass eine Frau sich so verhüllt?

Muslimische Frauen, die sich verhüllen, haben Charakter!
Charakter genug, um für ihren Glauben offen einzustehen und Anfeindungen und Nachteile in Kauf zu nehmen.
Ich stehe zu meiner Überzeugung und aus diesem Grunde, würde ich nie mein Kopftuch ablegen, auch wenn gerade eine NPD-Versammlung in meinem Zugabteil abgehalten würde.
Leeres Gerede?
Ich stand schon nachts an Haltestellen, mutterseelenallein, mit niemanden außer ein paar Nazis als Gesellschaft. Bin ich um die Ecke verschwunden und hab mein Kopftuch abgerissen?
Nein, auch nicht als sie anfingen Bierflaschen nach mir zu werfen und darüber debattierten, ob sie mich vor den nächsten Zug werfen sollten oder nicht.
Das ist fast fünfzehn Jahre her, aber damals war Deutschland (für Frauen) ja noch sicher.
Jede Muslima wird solche oder ähnliche Situationen zu berichten haben. Und bettle ich um Mitleid oder Anerkennung? Nein, ich stehe zu meiner Überzeugung, und da ich für keinen Menschen Kopftuch trage, bin ich an den Reaktionen der Menschen zu meinem Kopftuch, herzlich wenig interessiert.

Eine Muslima mit Kopftuch geht jeden Tag da raus und steht ihren Mann! Und dann sollen wir uns noch dieses banale Geschwätz über mangelndes Selbstbewußtsein und Unterdrückung in der Endlosschleife anhören. Klishee und Dummheit, egal ob Talkshow, Zeitung oder Internet. Ihr glaubt euch doch selbst nicht mehr.

Auf zwei Punkte möchte ich zum Abschluss noch mal eingehen.

1. Wenn ein Mann, der muslimischen Glaubens ist, sich verwerflich benimmt oder sich einer Frau unsittlich nähert, ist dies kein (!) islamisches Verhalten. Ganz im Gegenteil.

2. Ich trage Hijab!
Trotz der Anfeindungen, der Nachteile in Beruf, der verächtlichen Blicke, den (hörbaren!) Lästereien, hinter vorgehaltener Hand, der Ablehnung in der eigenen Familie oder im Freundeskreis und der Hetze in Medien und Internet.
Du musst nicht gutheißen oder verstehen, was ich mache, aber du solltest es respektieren.

 

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