Hand aufs Herz, werdet ihr auch ein wenig nostalgisch wenn ihr euch die Serie Wunderbare Jahre anschaut? Ich bin gerade in einer nostalgischen Stimmung und habe die Muße mich den Fragen zu widmen, die die Welt nicht braucht.

Habe ich als Atheistin mehr gelacht? Oh, ja. Sehr viel mehr. Kichergelage, kolossalen Ausmaßes gab es zuhauf. Da ich mit ungefähr 18 Jahren zum Islam konvertiert bin, muss hier der Schwank aus meiner frühen Jugend herhalten.

Gelacht wurde in meiner Familie immer gern und am liebsten über andere. Vorzugsweise über Idioten und von denen gab es so viele. Zwei Wohnmobilfahrer, die sich mitten auf dem Campingplatz stritten. War das komisch, meine Eltern hielten sich vor Lachen die Bäuche und zu den Plätzen in der ersten Reihe, konnte man sich nur gratulieren. Man hätte vielleicht auch versuchen können zu schlichten aber dann gäbe es kein Kabarett zum Dinner und manchmal muss man Prioritäten setzen.

Ich jedenfalls fand es sehr komisch und habe geflissentlich mitgekichert. Lästern ist auch so eine Sache. In einer Großfamilie gibt es immer jemanden, der vermeintlichen Anlass zum Spott gibt. Das Gewicht der Schwägerin, die Arbeitslosigkeit des Onkels, die Frisur der Tante etc. Ach, was haben wir gelacht. Diese Art von Humor habe ich in meiner Familie erlebt und aufgeschnappt. In der Schule musste ich immer lachen. Über alle die anders waren, über Ausländer, über Religionen und ihre Anhänger. Denn wenn ich eines gelernt hatte, dann das Gläubige die dämlichsten Menschen unter der Sonne waren.

Aber wie es so geht im Leben, nichts wärt ewig. Ich wurde älter und mein Herz wandelte sich. Plötzlich gab es Dinge, die ich nicht mehr komisch fand. Als meine Mutter einem Mann die Tür vor der Nase zuschlug. Ich hatte einen Fahrradunfall verursacht und den Hinterreifen eines Jungen kräftig verbogen. Sein Vater kam zu uns, forderte höflich und völlig zu Recht, einen Ersatz. Meine Mutter wollte nichts davon hören. Mit seiner Herkunft hatte sich sein Recht auf Schadenersatz verwirkt.

Ich hatte auch keine Lust mehr über den Pfarrer zu lachen, der meine Stiefschwester auf ihre Kommunion vorbereitete, die sie wiederum nur mitmachte um das versprochene Geld von den Großeltern einzustreichen.

Es war langweilig sich ständig über allem erhaben zu fühlen und alles idiotisch zu finden, dass man nicht kannte oder nicht verstand. Die innere Leere, die meist mit Arroganz übertüncht wird, ödete mich an.

Nun bin ich hier und frage ich mich, ob ich heute weniger lache. Ja, viel weniger. Ich lache kein gottloses Lachen mehr. Böswillig und Herablassend. Ich lache lieber im Kreise meiner Familie. Mit meinem Mann und meinen Kindern. Über Dinge, die wir alle lustig finden. Das erfreut mein Herz.

Aber ich lache auch weniger, weil es wichtigeres im Leben gibt, als sich ausschließlich dem Vergnügen zu widmen. Dieses Leben wird nicht ewig sein. Und es wird der Tag kommen, an dem die gesamte Menschheit versammelt werden wird. Um Rechenschaft für ihre Taten abzulegen. Ich versuche mein Leben mit erlaubten Vergnügen und dem nötigen Ernst zu leben. Ich fühle mich wohl dabei und das amüsiert mich am meisten.

Bei der Vergangenheit 🙂

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