Bismillah

In meiner Jugend verteilte ich Negerküsse in der Klasse, wenn ich Geburtstag hatte und als rebellische Teenager beschimpften wir andere als Spastis oder Tunten.

Nun hat sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt und mit ihr das Bewußtsein für bestimmte Ausdrücke und Umgangsformen. Manches finde ich richtig und überfällig. Manches finde ich übertrieben und sogar schädlich, aber da hat jeder seinen eigene Vorstellung.

Wer diese Entwicklung allerdings verschlafen hat, sind viele religiöse Menschen und ich spreche von ihrer Ausdrucksweise, wenn es um Gott geht.

Stellen wir uns zum Beispiel die zwanzigjährige Fatima vor. Eltern aus der Türkei eingewandert. Fatima hat einen deutschen Pass, macht ihr Abi und hat ihren Finger am Puls der Zeit. Sie kauft nur Bio Produkte, ernährt sich hauptsächlich vegetarisch und am Wochenende gibt nur Low Carb, jede Menge Yoga und dreifach gefiltertes Leitungswasser.

Bei jedem Kleidungsstück wird der Hersteller und die Arbeitsbedingungen in dessen Fabriken unter die Lupe genommen. Fatima ist gegen Ausbeutung, Umweltverschmutzung und Diskriminierung. Sie ist für die Frauenquote, den Klimaschutz und die gendergerechte Sprache. Aber wenn sie sich im Café mit ihren Freundinnen trifft, heißt es alle zwei Sekunden:„ Wallah? Alter, schwör mal drauf!“

Die Ghettosprache ist schon lange in der Mittelschicht angekommen, aber wir Muslime sollten uns im Klaren darüber sein, was dieses Wort bedeutet. Wallah bedeutet ( kurz gefasst), dass man im Namen Allahs schwört die Wahrheit zu sprechen. Man nimmt seinen Schöpfer, den Herrn der Welten als Zeugen, für das was man sagt. Das ist eine gewaltige Sache, die mehr Respekt verdient hat. Zu seinen Lebzeiten mochte Muhammed s.a.s. es nicht, wenn ein Muslim etwas sagte und zur Bekräftigung bei Allah schwor. Das sollte ein Muslim nur in wichtigen Ausnahmefällen tun. Das kann man ein bisschen mit der Vereidigung im Gerichtssaal vergleichen.

Vor Gott sollte man Respekt haben, wenn man sich mit einer Religion identifiziert. Wenn man bedeutungsschwere Wörter unachtsam benutzt, geht ihre Bedeutung für einen selbst verloren und man verliert den Respekt, denn man eigentlich haben sollte, wenn man von seinem Schöpfer spricht.

Wenn wir uns täglich so viel Mühe geben uns politisch korrekt auszudrücken, um andere Menschen nicht zu verletzen, sollten wir dann nicht auch darauf achten, wenn wir in Gottes Namen sprechen?

Werbeanzeigen